Trans-Ocean vergibt Preise für Weltumsegelungen und besondere Verdienste um das Hochseesegeln – Ehrenamtlicher Vorstand erweitert
Cuxhaven. Gänsehautmomente und Standing Ovations machten den Festabend des Hochseesegelvereins Trans-Ocean (TO) in den Cuxhavener Hapaq-Hallen in diesem Jahr unvergessen. Zum 56. Mal hat der Trans-Ocean herausragende seglerische Leistungen und vorbildliches Engagement ausgezeichnet. Allein acht Segelcrews wurden mit dem Weltumseglerpreis geehrt. Das zeigt: Die Faszination Blauwasser bewegt immer mehr Menschen. Doch auch die sportliche Seite gewinnt stark an Relevanz. Für besondere Momente sorgte eine Schalte ans andere Ende der Welt und der Einsatz von gelben Mützen. Als Burghard Pieske zur Laudatio für den Trans-Ocean Preis auf die Bühne kam, wurde es still im Saal. Der Weltumsegler, selbst vielfach ausgezeichnet, hatte eine ganz besondere Reise im Gepäck: eineinhalbmal nonstop einhand um die Welt, 33.532 Seemeilen von den Azoren bis Neuseeland, 270 Tage auf See, durch neun Stürme und einen Zyklon zum Abschluss. Das sind Superlative die nur ganz wenige Segler:innen je erleben. Für Susanne Huber-Curphey war es bereits die zweite Reise dieser Art. Sie ist mit ihrer Nehaj auch bei der zweiten Ausgabe der „La Longue Route“ im Sinne von Bernhard Moitessier gleich zweimal um das Kap der Guten Hoffnung gesegelt. Zum insgesamt vierten Mal erhielt die Ausnahmeseglerin dafür die höchste Auszeichnung des Trans-Ocean. Live aus Neuseeland zugeschaltet, bedankte sie sich für die Ehrung bei „ihrem TO“ und sorgte für Standing Ovations im fachkundigen Publikum. Als danach der Ocean Award vergeben wurde, wurde es in Cuxhaven emotional. Vorstand und Geschäftsstelle waren plötzlich mit neongelben Mützen zu sehen. Sie sind das Erkennungszeichen von Marlene und Bert Frisch in ihren informativen TO Blauwasser Micro Seminaren. Seit vielen Jahren engagieren sie sich ehrenamtlich für den Verein, stehen mit Rat und Tat den Mitgliedern zur Seite, notfalls auch nachts. Während Corona haben sie aus den Präsenzseminaren die einzigartigen online Micro-Seminare gemacht. Hier vermitteln sie mit viel Herzblut und Expertise relevantes Fachwissen rund um das Hochseesegeln. Die TO Blauwasser Micro-Seminare sind kostenlos und offen für jeden (auch nicht TO-Mitglieder). Gerne kommen da an einem Abend viele hundert Teilnehmer zusammen und bei besonderen Themen kann es auch vierstellig werden. Der Race Award ging in diesem Jahr an den Düsseldorfer Hendrik Lenz. In der hochkompetitiven Classe Mini konnte er sich mit konsequent guten Regattaergebnissen in der Rangliste auf Platz sieben (von 270) in der französisch dominierten Klasse behaupten. Gerade ist er beim Mini Transat auf dem Weg in die Karibik. Einen Gruß schickte auch das Doublehanded-Team Lennart Burke/Melwin Fink von ihrer Weltumsegelung im Rahmen der Globe40 von der Insel La Reunion. Sie waren ebenso wie das Duo Lina Rixgens/Sverre Reinke sowie Einhandsegler Nicolas Manthos für den Race Award nominiert. Manthos wurde für seinen Rekord bei der „Rund Island“ dann mit der Trans-Ocean Medaille für besondere Leistungen ausgezeichnet, ebenso wie Hartmut Zoppke für seine Reise auf einem 25 Fuß-Boot nach Südgeorgien sowie Andreas Neumann und Birgit Fernengel für ihre große Pazifikrunde. Der Ismaninger Siegfried-Paul Germ durfte sich für seine Reise um die Welt über eine Trans-Ocean Medaille und den Weltumseglerpreis freuen. Er hat sich trotz Krankheit, widriger Umstände und Corona seinen Traum einer Weltumsegelung erfüllt. Mit Corona hatten viele unserer Weltumsegler zu kämpfen. Lockdowns sorgten für ungeplante Stopps oder sie kamen einfach nicht mehr zum Boot. Michael und Uta Jungclaus organisierten auf ihrer Reise Lebensmittelspenden für die vom Lockdown betroffene Bevölkerung in Kolumbien. In Cuxhaven wurden sie neben dem Weltumseglerpreis auch mit der Gläsernen Kugelbake der Stadt Cuxhaven ausgezeichnet, da ihre Reise in Cuxhaven anfing und endete. Horst Ablas kreuzte nach 21 Jahren und einigen Unterbrechungen ebenfalls 2025 seine Kurslinie, nachdem er zwischen 2011 und 2023 vor allem im Pazifik zwischen Neuseeland, Neukaledonien und Australien unterwegs war. Ein weiterer Weltumseglerpreis ging an die Bremer Inga Hinrichsen und Norbert Damm, die neun Jahre die Weltmeere erkundeten und von der Schönheit des Planeten ebenso begeistert sind wie die Bayern Alexandra Lammel und Thomas Schmid. Mit ihrer Katze Coco hatten sie tierische Verstärkung an Bord. Die brauchte auch Moritz Wichmann, der in rekordverdächtigen 21 Monaten mit insgesamt 220 Mitseglern die Welt umsegelte. Viel allein unterwegs war dagegen Christoph Rechmann. Von seinen 42.000 Seemeilen segelte er über die Hälfte einhand. Gerade wieder auf der Elbe eingelaufen sind die Hamburger Talissa Hackbarth und Finn-Ove Putensen. Sie wurden direkt vom ersten Herbststurm überrascht und müssen sich nach drei Jahren in der Sonne erst einmal wieder akklimatisieren. Trotz der vielen unterschiedlichen Reisen waren sich alle Weltumsegler an diesem Abend mit dem Rat an das Publikum einig: lossegeln, lossegeln, lossegeln. Mitgliederversammlung stellt Weichen Um den Verein zukunftsfähig und modern aufzustellen, hatte die Mitgliederversammlung am Vormittag die Weichen gestellt. Mit der Digitalisierungsstrategie professionalisiert der Vorstand den Verein weiter. Eine plattformübergreifende Datenverwaltung ermöglicht eine bessere Vernetzung und mehr Service für die Mitglieder. Damit die vielen Aufgaben auch in Zukunft gut bewältigt werden können, wurde auf der Mitgliederversammlung der ehrenamtlich arbeitende Vorstand um eine Position erweitert. Der Bonner Guido Marx wird als weiterer Stellvertretender Vorsitzender Aufgaben übernehmen. Die Wiederwahl des Vorstandsvorsitzenden Marcus Warnke zeigt den starken Rückhalt der Mitglieder für den erfolgreichen Modernisierungskurs der letzten Jahre. Mit über sechs Prozent Mitglieder-Wachstum setzt sich der Trend der letzten fünf Jahre fort: „Lange Zeiten unterwegs zu sein, ist kein Privileg der älteren Generation mehr“, betont Marcus Warnke. „Wir stellen fest, dass immer mehr junge Menschen dem Verein beitreten. Sie wollen mit der Familie aufbrechen, von Bord arbeiten oder mit ihrer großen Reise nicht erst bis zum Rentenalter warten. Als Verein unterstützen wir alle Mitglieder bei der Umsetzung ihrer Pläne. An unseren Preisträgern sehen wir, wie unterschiedlich die Wege auf das blaue Wasser sein können. Genau diese Vielfalt und die starke Gemeinschaft zeichnen unseren Verein aus.“ Einen intensiven Austausch gab es zum Antrag auf eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge ab dem Geschäftsjahr 2026/2027. Notwendige technische Investitionen und steigende Kosten machen diesen Schritt – der am Ende erfolgreich verabschiedet wurde – notwendig. „Der TO wurde gegründet, um das Hochseesegeln sowohl von Fahrten- als auch Regattaseglern zu fördern. Das wollen wir auch in Zukunft in gewohnter Qualität sicherstellen“, erläutert TO-Schatzmeister Sven Meßner.
Alle Preisträger:innen im Überblick:
Ocean Award: Race Award: Susanne Huber-Curphey (Nehaj)
Marlene und Bert Frisch (Heimkehr) – Oberndorf
Jan-Hendrik Lenz (Monoka) – Düsseldorf
Weltumseglerpreise: Siegfried-Paul Germ (Island) – Ismaning
Horst Ablas (Albatros II) – Siegen
Inga Hinrichsen, Norbert Damm (Marisol) – Bremen
Michael & Uta Jungclaus (Daphne) – Neuenhagen
Finn-Ove Putensen, Talissa Hackbarth (Beluga) – Winsen/Luhe
Christoph Rechmann (Tin Lizzy) – Unkel
Moritz Wichmann (Free Spirit) – Berlin
Dr. Thomas Schmid, Alexandra Lammel (Manaloa) – Bernried a. See/ München
Trans-Ocean Medaille: Nicolas Manthos (Cheekytatoo) – Fellbach
Andreas Neumann, Birgit Fernengel (Muktuk) – Weidenberg
Siegfried-Paul Germ (Island) – Ismaning Hartmut Zoppke (Anneke) – Trier