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Sorry, Archimedes

Tiefenangaben mit neuem Namen in den Niederlanden. Karte: NV Charts

Wie aus LAT in den Niederlanden jetzt A-LAT wird

„Gebt mir einen festen Punkt – und ich hebe euch die Welt aus den Angeln“ ist vom antiken Archimedes überliefert. Auch bei der Navigation suchen wir in den Seekarten immerhin verlässliche Wasserstände, bisher als LAT (lowest atronomic tide) bekannt. Weniger Wasser als angegeben sollte es also an dieser Stelle durch den Einfluss der Gestirne nicht geben. Wind und Luftdruck sind dabei allerdings nicht berücksichtigt. Wer sich wie Jeppe Scheidt, Mitgeschäftsführer von NV Charts, beruflich mit der Materie beschäftigt, sieht das Thema noch differenzierter. „Angaben, die auf Naturbeobachtungen und Berechnungen beruhen, sind mit Unsicherheiten behaftet. Das kann an Landhebungen oder Senkungen oder Meeresspiegeländerungen oder Tiefenstrukturveränderungen innerhalb des Beobachtungszeitraums liegen –  oder an vielen anderen Faktoren die sich über die Zeit ändern. LAT war deshalb immer schon ein Näherungswert an den niedrigsten Wasserstand, der zu erwarten wäre. Und der Bezug kann sich über die Zeit auch ändern. Ein Stück weit ist also das LAT schon deshalb meist ein näherungsweises LAT. Eben ein approximate lowest atronomic tide. A-LAT.“ Das LAT als A-LAT anzugeben, ist daher international eine übliche Option, die auch diese Hintergründe etwas widerspiegelt. Gleichzeitig ermöglicht ein A-LAT ein einheitlicheres und konstanteres Bezugssystem, welches weniger oft um gegebenenfalls kleinste Beträge angepasst werden müsste. Der Dienst der Hydrografie führt hier an, das ein A-LAT auch dabei unterstützt, ein einheitliches Bezugssystem mit anderen Nordseeanreinerstaaten erreichen. Die niederländischen Seekarten des Verteidigungsministeriums als Grundlagenkarten vollziehen diese Änderung der Bezeichnung nun nach.

„Für Wassersportler ist ein Unterschied zwischen Angaben, die sich auf LAT oder A-LAT beziehen, in der Praxis meist unerheblich oder identisch, insbesondere wenn Gezeitenhöhen den gleichen Bezug verwenden. Das A-LAT hat für uns die gleiche Verlässlichkeit als Bezugsystem wie LAT und ist in bei der Anpassung in den Niederlanden auch tatsächlich ausschließlich eine Änderung der Bezeichnung. Die Bezugsebene selbst bleibt unverändert“, so Jeppe Scheidt. Da Luftdruck, Wind und andere Faktoren in diesen Bezügen nicht einbezogen sind, empfehle es sich ohnehin, die „Handbreit Wasser unterm Kiel“ nicht zu knapp zu bemessen.

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